Wildnis
"Die zivilisatorische Schicht, die uns von der Wildnis trennt, ist nicht dicker als drei Tage."
Robert
Greenway, Wildnisforscher und Psychologe
Christrose in den Karpaten Foto: Christa Schudeja
Die Wiederentdeckung der Wildnis
Wer die Zivilisation länger hinter sich lässt, kann beobachten,
dass Suchtverhalten sich auflösen, Gespräche sich verändern, Intuition
zunimmt und Achtsamkeit wächst.
Robert
Greenway
In einem von Stahl und Beton überzogenen Westeuropa existiert nur noch
wenig ungeordnete Natur. In Deutschland umfassen derzeit nicht einmal 1
Prozent der Landesfläche Gebiete, in denen die Natur sich selbst
überlassen wird.
Doch wir haben Sehnsucht nach dem Unberechenbaren, dem Kick und wann
immer es geht, werden wir zu Freizeitabenteurern. Diese Sehnsucht
bedienen geschickte Werbestrategen und in der Outdoor-Branche gibt es
viele Scharlatane. Die einen bieten Rambokurse fürs Überleben, andere
üben den Urschrei, um Naturgeister zu gewinnen, wieder andere rücken
rücksichtslos mit Geländewagen durch unberührte Natur, um den
Unternehmenserfolg zu sichern.
Wie werden wir aber der Wildnis wirklich gerecht?
Wildnis verlangt vom Menschen, nichts zu tun. Dies ist mit dem
menschlichen Aktionsdrang schwer vereinbar. Für die Wildnis gilt daher,
eine Kultur des kreativen Müßiggangs zu entwickeln, eine
Wahrnehmungsschule, die wahrnimmt, ohne einzugreifen, ohne zu
zerstören, ohne zu schädigen.
Die Wildnis, von der die Zivilisation immer sehnsüchtiger
träumt, ist nichts anderes, als die Sehnsucht, zur eigenen Natur
zurückzukehren. Die eigene Wildnis beginnt, wo die Sicherheit aufhört.
Die Begegnung mit der Wildnis ist auch heute das, was sie immer war:
eine Grenzüberschreitung, an der die Kultur wachsen kann.
Die Wiederentdeckung der Wildnis macht
nur Sinn, wenn sie als Schule für ökologisches Bewusstsein, Theapie
gegen Konsumsucht, Crashkurs zur ganzheitlichen Weltsicht und als
Schatztruhe für neue Werte verstanden wird.
Zur Fragen der Sicherheit
Reinhold Messner
in "Rettet die Alpen" S. 106
" In den Alpen verunglücken jährlich mehr als 10.000 Bergwanderer, Kletterer, Skifahrer, mehrere von ihnen tödlich. Es wären weniger, viel weniger, wenn die Alpen weniger erschlossen wären."